Buchdeckel Abbildung: After the ball (oil on canvas) by Casas i Carbo, Ramon (1866-1932); Museu de Montserrat, Abadia de Montserrat, Spain; Index; Spanish,  out of copyright possible copyright restrictions apply, consult national copyright laws
Beispieldoppelseite Kapitel 1: Komfort, Liegen, Innerlichkeit und Transgression Beispieldoppelseite Kapitel 2: Symposion und Convivium Beispieldoppelseite Kapitel 3: Die Entwicklung der Couch und der Aufstieg des Sofas Beispieldoppelseite Kapitel 4: Komfort, Liegen, Innerlichkeit und Transgression

Nathan Kravis

Auf der Couch

Eine verdrängte Geschichte der analytischen Couch von Platon bis Freud

Das sonderbare Arrangement einer psychoanalytischen Sitzung im Sprechzimmer des Analytikers gibt Rätsel auf. Der Analytiker sitzt auf einem Stuhl, ungesehen von dem abgewandt auf einer Couch liegenden Patienten. So ist es seit Freud, obwohl diese Gepflogenheit wie der Autor Nathan Kravis zeigt, stärker in der Kulturgeschichte des Liegens wurzelt als in empirischer Forschung. Der Autor, selbst praktizierender Analytiker, weist nach, dass die Tradition des Sprechens im Liegen nicht etwa von Freud begründet wurde, sondern zurückreicht bis ins antike Griechenland, wo die Teilnehmer am symposion (einer Zusammenkunft von Männern der Oberschicht zu philosophischen Gesprächen und Weingenuss) auf Couchen lagen, beziehungsweise bis zum römischen convivium (einem Bankett, bei dem Männer und Frauen zurückgelehnt speisten). Vom Bett über die Bank, die Polsterbank, die Chaiselongue zum Sofa: Nathan Kravis erzählt, wie die Couch zum Symbol der Selbsterkenntnis und Selbstbesinnung, aber auch zu einem Ort des Vergnügens, der Intimität, der Transgression und der Heilung wurde.

Dabei schöpft der Autor aus vielfältigen Quellen: der Geschichte der Medizin, der Mode und der Inneneinrichtung – von antiken Grabstätten über historisches Mobiliar bis zu frühen Fotografien. Zudem liefert er eine bemerkenswerte Fülle von Abbildungen: Gemälde, Skulpturen, Fotografien, Illustrationen, Cartoons und Werbeanzeigen. Und er zeigt überzeugend, dass die Couch – trotz der Ambivalenz heutiger Psychoanalytiker, die dieses Möbelstück teilweise für „infantilisierend“ halten – weiterhin das Sinnbild eines Narrativs der Selbstfindung ist. Das Sprechen im Liegen symbolisiert die Behauptung eigenen Denkens in Gegenwart einer anderen Person.

Nathan Kravis ist Klinischer Professor für Psychiatrie am Weill Cornell Medical College und stellvertretender Leiter des DeWitt Wallace Institute for the History of Psychiatry sowie Training and Supervising Analyst am Columbia University Center for Psychoanalytic Training and Research.

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17 x 23 cm, 224 Seiten, 175 Abbildungen, gebunden mit Schutzumschlag
25,00 Euro
ISBN 978-3-98-16537-2-4

„Dieses geistreiche, witzige, hochintelligente, ungemein fesselnde, oft überraschende,
wunderbar bebilderte Buch wurde für all jene Menschen geschrieben und gestaltet,
die sich schon einmal zum Tagträumen, Schmusen oder freien Assoziieren auf
jenes bisweilen prachtvolle, bisweilen schlichte Möbelstück gelegt haben, das wir
Couch nennen. Bravo, Nathan Kravis!“

Siri Hustvedt